März 2026
Ein fotografisches Projekt über eine Tageszeit, die erst durch ihren Verlauf und ihre Veränderungen spürbar wird. Hier dokumentiere ich sowohl meine Ergebnisse als auch meine Gedanken.
Die Nacht ist dunkel, der Tag ist hell, aber was ist der Abend? Der Abend ist die Dämmerung, der fliessende Übergang, bis es schliesslich ganz dunkel ist. Ein reiner Verlauf. Genau das einzufangen, ist gar nicht so einfach. Wenn man abends durch die Stadt läuft, merkt man zwar, dass es irgendwann dunkel ist, aber die eigentliche, schleichende Veränderung nimmt man kaum wahr.
Am besten lässt sich das beobachten, wenn man an einem festen Ort
bleibt und einfach zuschaut, wie das Licht schwindet und wie sich
Wolken und Wetter verhalten. Wie dokumentiert man das, ohne die
Kamera zu bewegen? Zuerst versuchte ich es mit einem
Mini-Computer
mit
Kameramodul
und einem
3D-gedruckten Gehäuse
. Das Problem war jedoch: Der Strom der Powerbank reichte nicht
aus. Ein zweiter Mini-Computer befindet sich zwar bereits in unserem
Ferienhaus, aber die Qualität und der Dynamikumfang der Bilder waren
für einen Zeitraffer der Abendstimmung nicht gut genug.
Deshalb stand ich schliesslich selbst mit meiner Kamera an zwei Orten, die in einem starken Kontrast zueinander stehen, und habe alle paar Minuten ein Bild aufgenommen, um den Verlauf zu dokumentieren. Die beiden folgenden Sequenzen zeigen zwei verschiedene Orte über mehrere Stunden.
Wenn man unten auf dem Boden steht und abends durch die Stadt geht, fällt einem oft gar nicht auf, von wie vielen Seiten künstliches Licht die Strassen erhellt. Aus der Luft lässt sich das viel besser beobachten, wie diese Drohnenaufnahmen zeigen. Vieles wird erst sichtbar, wenn man Abstand nimmt und von weiter oben auf die Stadt oder das Dorf blickt.
Fenster
Aber nicht alles wirkt aus der Ferne und aus der Luft am besten. Viele kleine Details und Bewegungen erkennt man nur, wenn man sich den Abend aus der Nähe und vom Boden aus ansieht. Schaufenster, Restaurants und kleine Läden beginnen erst dann so richtig zu leuchten, wenn das natürliche Licht der Umgebung verschwindet. Viel los ist trotzdem noch, E-Trottinets, Scooter und Busse bewegen sich vor den leuchtenden Fenstern.
Lang belichtet
Lichtspuren gibt es überall am Abend. Das menschliche Auge nimmt diese jedoch nicht als Spuren wahr, sondern einfach als sich bewegende Lichtpunkte. Wenn man die Szene aber für ein paar Sekunden belichtet, werden die Spuren von Autos, Velos, Bussen oder Zügen, die das Bild durchqueren, plötzlich als Linien sichtbar.
Am Abend passiert vieles draussen, aber was drinnen geschieht, ist genauso wichtig. Das Abendessen ist für fast jeden ein zentraler Bestandteil des Abends. Egal, ob die Teller noch voll sind oder nur noch leeres Geschirr übrig ist. Das Kerzenlicht macht das Ganze noch abendlicher.
Aber nicht nur Kerzen erhellen den Abend. Eine einfache Glühbirne an einem offen sichtbaren Kabel kann das genauso gut, oder eine Laterne draussen im Dunkeln.
Im frühen Frühling ist das natürliche Licht bereits sehr früh recht schwach, daher muss man selbst eingreifen. Mit einer Taschenlampe habe ich versucht, eigene Linien und Formen in die dunkle Luft zu zeichnen.
Es ist jetzt Nacht.